Albert-Schweitzer-Turnier Hautnah - Der Erlebnisbericht eines Volunteers

Dienstag, 10. Mai 2016

Deutschland wird erstmals Turniersieger beim AST // Foto: DBB

Am Karfreitag, dem 25.03.2016, ging es endlich los. Ziel war die GBG-Halle am Herzogenried in Mannheim. Dort fand die 28. Auflage des Albert-Schweitzer Turniers (AST) statt. Mir wurde angeboten, im Rahmen des diesjährigen AST den DBB bei der Durchführung zu unterstützen.

Wer ich bin? Mein Name ist Arik Schumann, ich bin 22 Jahre alt und mache derzeit mein Freiwilliges Soziales Jahr beim Basketball-Verband Sachsen-Anhalt. Natürlich ließ ich mir diese Chance nicht entgehen! Und so fuhr ich gemeinsam mit Carsten Straube (Vorstand für Sportorganisation beim BVSA und Beko BBL Schiedsrichter) zu dem Turnier, das auch als „inoffizielle Jugend WM” bezeichnet wird. Mein Ziel war klar, ich wollte Einblicke hinter die Kulissen und die Organisation gewinnen, neue Leute kennenlernen und Erfahrung für meine berufliche Laufbahn sammeln. Carsten verfolgte andere Ziele, er war einer von zwei deutschen Teilnehmern des im Rahmen des AST stattfindenden „camp for national potential referees” zur Erhaltung einer FIBA-Lizenz.

„The Albert-Schweitzer-Tournament” ist ein hochangesehenes und prestigeträchtiges Turnier, welches alle 2 Jahre über Ostern vom Deutschen Basketball Bund gemeinsam mit den Städten Mannheim und Viernheim veranstaltet wird. Es lockt einige der weltweit besten Top-Talente aus dem männlichen U18-Bereich. So spielten u.a. auch schon Dirk Nowitzki, Tony Parker, Kyrie Irving, Arvydas Sabonis oder auch „Magic” Johnson bei diesem Turnier. Wie sich am Schluss herausstellen sollte, war das diesjährige AST ein ganz besonderes für den deutschen Basketball. Denn noch nie in der Turniergeschichte, ist es einer deutschen Mannschaft gelungen, sich den Platz auf dem obersten Treppchen zu sichern. Ein großer Erfolg und ein klares Zeichen für die zahlreichen Reformen im Nachwuchskonzept des deutschen Basketballs.

Ich wurde sehr freundlich empfangen und in mein Aufgabengebiet (vor allem Logistik) eingewiesen. Nach dem Rundgang über das Turnier-Gelände, zunehmend mehr Informationen über das Turnier sowie Planungen und Vorbereitungen für die nächsten Tage wurde mir der hohe Stellenwert dieser Veranstaltung immer stärker bewusst. Besonders das Auge fürs Detail und der Anspruch, angereisten Teams und Gästen einen guten Aufenthalt zu bereiten, empfand ich als sehr positiv. Mittlerweile blickt das Turnier auf eine 58-jährige Geschichte zurück. Im Jahre 1958, zu Zeiten der amerikanischen Besatzungszone, initiierten zwei Deutsche das Turnier und konnten den evangelischen Theologen und Arzt Albert-Schweitzer als Namensgeber gewinnen. Bis einschließlich 2010 war auch die US-Armee offizieller Mitveranstalter. Als jahrelanger Hauptaustragungsort des AST diente die US Sports Arena, die sich auf dem Gelände des amerikanischen Militärstützpunkts befand. Seit 2006 wurde dann die GBG-Halle Mannheim am Herzogenried als zusätzliche Sportstätte genutzt. Nach dem Rückzug der Amerikaner im Jahre 2012 ist ein Teil der Spiele in Viernheim verortet. Außerdem wird noch eine weitere Sporthalle in Mannheim zu Trainingszwecken genutzt. Rekordsieger sind bis heute die USA mit zehn Titelgewinnen, gefolgt von Italien mit vier und Jugoslawien mit drei Turniersiegen. Allerdings konnten die Vereinigten Staaten seit nunmehr 20 Jahren keinen Titel mehr für sich erringen.

Am Samstagabend, dem 26. April, konnte es dann endlich auch offiziell losgehen, die große Eröffnung stand bevor. Nach dem Einlauf aller Mannschaften wurde das Albert-Schweitzer-Turnier 2016 mit Grußworten von Mannheims Bürgermeister Lothar Quast und DBB Vizepräsident Stefan Raid offiziell eröffnet. Erstmals wurde das AST Teilnehmerfeld von 16 beteiligten Ländern auf nur noch zwölf reduziert. Damit sollte die Qualität des Turniers noch dichter und hochklassiger gestaltet werden. Unter den zwölf teilnehmenden Nationalmannschaften waren alle Kontinente vertreten. Argentinien vertrat Südamerika, die USA kam aus Nordamerika, Ägypten war für Afrika dabei, China und Japan hießen die asiatischen Vertreter und Australien startete für Ozeanien. Mit Deutschland, Frankreich, Griechenland, Serbien, Türkei und dem Vorjahressieger Italien war auch der Großteil der besten europäischen Teams vertreten.

Gespielt wurde dann in 2 Gruppen. Gruppe A absolvierte Ihre Spiele in der Halle in Mannheim und Gruppe B in Viernheim. Das offizielle Eröffnungsspiel bestritt die deutsche Mannschaft unter Bundestrainer Harald Stein gegen die Gastmannschaft aus Japan, die im Übrigen auch von einem deutschen Headcoach (Torsten Loibl, ehemaliger Trainer aus Chemnitz) geführt wurde. Spätestens nach Siegen gegen Japan, Argentinien und die Türkei war deutlich zu erkennen, dass das diesjährige deutsche Team anders auftritt als seine Vorgänger! Technisch gut ausgebildet und mental mit einer fokussierten, selbstbewussten Einstellung ausgestattet. So konnten die Deutschen sich auch gegen den späteren Gruppenzweiten und Mitfavoriten aus Serbien durchsetzen. Gleich acht Spieler der serbischen Mannschaft stammen aus dem Verein „Roter Stern Belgrad”. Insgesamt hatte das Turnier alles nur Erdenkliche im petto: Spannung, Überraschungen, aber auch Enttäuschungen. Ich kann nur sagen, es ist der Wahnsinn, was diese U-18-Spieler dort leisten! Highlight-Spiele waren für mich, das Spiel Australien-Türkei, welches das erstere Team in der Verlängerung für sich entscheiden konnte. Ein weiteres Leckerli war der Überraschungssieg der körperlich unterlegenen Japaner gegen Argentinien. An diesem Spiel konnte man sich davon überzeugen, wie viel die Einstellung am Ergebnis ausmacht. Der Basketball der italienischen Mannschaft in Gruppe B war immer wieder schön anzusehen. Sie überzeugten mit schneller Ballbewegung, großartigem Passspiel und sicheren Distanzwürfen und so konnten sie sich als Gruppen-Erster ungeschlagen absetzen und als Favorit auf den Titel etablieren. Auch Frankreich und China überzeugten. Im Gegensatz dazu enttäuschten die Vereinigten Staaten auf ganzer Linie und fanden sich in der Endplatzierung auch „nur” auf dem 9. Rang wieder.

Aber nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch hinter dem Feld, unter den Tribünen, an den Türen, in den Kantine-Zelten, an den Buslenkrädern, in den Getränkelagern und an den Telefonen wurden Höchstleistungen vollbracht! Die Zuschauer vor Ort aber auch bundesweit Interessierte wurden stets durch News, Liveticker oder sogar Streams auf dem Laufendem gehalten. Die Helfer waren durch einheitliche Kleidung für jeden Teilnehmer und Zuschauer erkennbar.

Jedem Team wurde ein Bus zum Transport, sowie ein „Escort” zur Organisation gestellt. DVD-Aufzeichnungen konnten bereits einige Stunden nach den Spielen direkt im Mediabereich von den Mannschaften abgeholt werden. Täglich stand den Teams ein aktueller Ablaufplan mit allen Informationen zur Verfügung. Durch die Vielzahl an Aufgaben, die Vor- und Nachbereitungen kann ein solcher Turniertag auch schon mal bis zu 15 Stunden für einen Mitarbeiter dauern. An dieser Stelle auch nochmal ein besonderes Lob und ein großer Dank an den DBB und alle Beteiligten für die bärenstarke Organisation, den tollen Service und die ausgezeichnete Arbeit!

Nach insgesamt fünf Tagen Gruppenphase und einem freien Regenerationstag startete dann ab Freitag, dem 01. April, die allesentscheidende heiße Phase. Die Platzierungs- und Halbfinalspiele standen bevor. Im ersten Halbfinale begegneten sich die Mannschaften aus Italien und Serbien. Das Spiel hielt, was es versprach - Spannung pur! Bereits vor der Halbzeit musste der Headcoach Serbiens Milan Gurovic die Halle aufgrund seines zweiten Technischen-Fouls verlassen. Bis zur Halbzeit hatte Italien dann die Nase vorne, doch wie gewöhnlich, legten die Serben ein sehr starkes drittes Viertel aufs Parkett. Es war ein nervenaufreibendes Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss. Nach Verlängerung konnte sich Serbien durch einen Matchwinner-Wurf von Top-Talent Boriša Simani? mit 77:75 durchsetzen und ins Finale einziehen.

Im zweiten Halbfinalspiel traf die deutsche auf die französische Mannschaft. Die Franzosen präsentierten sich zwar individuell stark, aber als Mannschaft funktionierten die Deutschen weit aus souveräner. Am Ende dominierte der deutsche Favorit und konnte mit einem Sieg (71:50) den zweiten Finalplatz buchen.

Es war angerichtet - das AST-Finale 2016 stand bevor. Wie auch schon in der Gruppenphase hieß das Match-Up also Deutschland gegen Serbien. Nur diesmal war die Halle in Mannheim mit über 2.000 Zuschauern bestens gefüllt. Die Stimmung war gut. Vorfreude und gleichzeitige Anspannung stiegen spürbar mit jeder Minute, die der „Jump-Ball” näher rückte. Dann ging es endlich los und eins stand für mich fest, ein Jugendspiel auf einem solch hohen Niveauist unglaublich. Beide Teams kämpften und spielten mit immens hoher Intensität und grandiosem Willen. Doch angetrieben von den ca. 50 serbischen Fans, die es akustisch mit den gesamten deutschen Fans aufnahmen, erspielte Serbien sich einen 10-Punkte-Vorsprung. Doch die Deutschen ließen sich nicht unterkriegen und mit einem Buzzerbeater glich, der später ernannte MVP, Kostja Mushidi die Partie aus. 32:32 hieß es zur Halbzeit. Das Team Deutschlands erarbeite sich in der zweiten Hälfte eine Führung von bis zu zwölf Punkten, die aber unter dem Druck der serbischen Mannschaft immer mehr zu schmelzen drohte. Kurz vor Schluss verkürzten die Serben durch zwei Dreier-Würfe auf nur noch zwei Punkte. Doch durch Nervenstärke in der Crunch Time (70:65) sicherte sich die deutsche Mannschaft den so ersehnten Titel.

Aus meiner Sicht ein zu 100% verdienter Triumph und Erfolg, sowohl für diese Mannschaft als auch für den gesamten deutschen Basketball. Alles in allem ein absolut empfehlenswertes Turnier und eine tolle Erfahrung für mich. Ich hoffe, dass die Tradition eines hochklassigen Turnieres in dieser Altersklasse noch viele Jahre fortgeführt wird. Ich würde auch noch ein weiteres Mal vorbeikommen.

Arik Schumann

FSJ'ler des BVSA

PS: Dieser Eintrag ist eine Kopie der ordnungsgemäßen Veröffentlichung auf der alten Seite des BVSA und kann deshalb etwaige minimale Unterschiede aufweisen.

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