Nachruf: Der BVSA trauert um Dr. Gisela Pelzl

Sonntag, 05. April 2020

BVSA-Traueranzeige für Dr. med. Gisela Pelzl

Gisela Pelzl im Alter von 80 Jahren verstorben

Am Freitag, den 06. März 2020, ist Gisela Pelzl (geboren von Mülmann) im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit verstorben. Gisela Pelzl verdiente sich ihre Sporen als Leistungssportlerin im Basketball unter anderem als Teil der Damennationalmannschaft in den 1960er Jahren. Damit war sie Akteurin in einer Zeit, als sich der Basketball als Randsportart in der DDR mit zunehmend weniger staatlicher Förderung entwickeln musste. Auch nach ihrem, doch recht frühen Ausscheiden aus dem aktiven Leistungssport, blieb sie dem orangenem Leder treu. Neben ihrer Spielerinnentätigkeit in der Oberliga, lag ihr Wirken ab den 1970er Jahren auf ihrer Tätigkeit als Sportmedizinerin. Ganze Generationen von Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern wurden durch sie medizinisch betreut, häufig bereits ab der Kinder- und Jugendzeit.

Gerne möchten wir Ihrer würdig gedenken und mit diesem Beitrag ein Blick in eine andere Zeit werfen.

Akteurin in einer dynamischen Zeit

Gisela Pelzl wirkte in einer dynamischen Zeit. Als Leistungssportlerin war sie in den Jahren von 1955 bis 1968 aktiv. In der DDR wurde grundsätzlich eine starke Sportförderung betrieben. Die Sportart Basketball hatte es dabei jedoch nicht immer leicht. So kam dem Basketball nicht die gleiche Aufmerksamkeit und Förderung zu, wie anderen Mannschafts- und Individualsportarten. Einerseits hatte der Basketballsport auf deutschem Boden noch keine besonders ausgeprägte Tradition. Andererseits tat sich die politische Führung mit der beim "Klassenfeind" beheimateten Sportart mit englischem Namen recht schwer. Zu groß waren die politischen Ressentiments und finanziellen Aufwände. Somit galt es, sich mit entsprechenden Erfolgen zu beweisen. Erfolgreiche Leistungssportlerinnen wie Gisela Pelzl, trugen zur weiteren Etablierung unserer Sportart maßgeblich bei. Trotz der Aberkennung des Basketballs als Fördersportart im Jahre 1969.

Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1969 oder 1970 - Der SC Chemie Halle als Landesmeister/Finalist beim Europacup. Gisela Pelzl ist oben rechts zu sehen. // Foto: Archiv von Gunther Schmidt

Gisela Pelzl schrieb über viele Jahre die Mannschaftschronik der Damen und legte, wie viele Mannschafts- und Leitungsspieler*innen in den Nachkriegsjahren, großen Wert auf die Schaffung von Begegnungs- und Austauschräumen. Das Kennenlernen von Land und Leuten, v.a. bei Auslandsreisen, hatte damals schon Bedeutung.

Basketball aus einer anderen Perspektive

Nach ihrem Ausscheiden aus der Damennationalmannschaft war "Müli", wie Gisela Pelzl von ihrem Freundeskreis genannt wurde, ab 1969 als Oberligaspielerin bei der "HSG PH Halle" aktiv. 1976 gelang ihr zusammen mit ihrer Mannschaft nochmals die Platzierung auf dem Treppchen bei den DDR-Meisterschaften (Bronze). in den 1980er Jahren hielt sie sich in der Bezirksliga fit.

Dieses Bild zeigt wahrscheinlich die Verabschiedung von Gisela Pelzl aus der Damenmannschaft. Zu sehen sind auch Gunther Schmidt und Gabi Müller.

Dr. med. Gisela Pelzl arbeitete lange Zeit als Ärztin im Sportmedizinischen Dienst in Halle. Nach 1969 war sie u.a. für den Bereich Turnen zuständig. Aus Verbundenheit zum Basketball hat sie jedoch jahrzehntelang auch zahlreiche Basketballerinnen und Basketballer in ihrer haupt- und tw. auch ehrenamtlichen Tätigkeit als Ärztin betreut. Von der Leitung wurde dieses Engagement "in einer anderen Sportart" gerade so geduldet. Wer in den 70er und 80er Jahren im Basketball Leistungssport betrieb, kam deshalb an Dr. med. Gisela Pelzl nicht vorbei.

Marion Streit, ebenfalls ehemalige Nationalspielerin in jüngerer Generation, erinnert sich: "Einmal im Jahr gingen wir zur sportärztlichen Untersuchung. Diese hat Gisela Pelzl mit ihren Mitarbeitenden verantwortet. Sie war stets sehr engagiert und freundlich. Bei Problemen hat Sie sich immer Zeit genommen für uns Sportlerinnen. Als Spielerin hatte sie "Biss" und war auch ergeizig."

Aktive Seniorinnenzeit nach der Wiedervereinigung

Auch nach 1990 blieb Gisela Pelzl als Sportmedizinerin aktiv. Sie arbeitete bis in die 2000er Jahre am Olympiastützpunkt in Halle. Dort betreute sie nach wie vor Leistungssportlerinnen und -sportler. Wer die Aufnahmeprüfung zur Sportschule absolvierte, machte im Rahmen des Aufnahmetests mit ihr Bekanntschaft. Ich selbst erinnere mich an meine sportmedizinische Untersuchung aus dem Jahr 2001. Eine ältere Dame mit kurzem, grauen Haar lächelte mich freundlich an. Ich fühlte mich damals sehr wohl, trotz der ungewohnten Umgebung mit den verschiedenen medizinischen Apparaturen.

Ab den 1990er Jahren war "Müli" verstärkt im Seniorinnen-Basketball aktiv - der Erfolg sollte nicht lange auf sich warten lassen! Zunächst im USV Halle in der Oberliga, später in der Stadtliga spielend, folgten zahlreiche Teilnahmen an den Bundesdeutschen Seniorinnen-Meisterschaften. In der AK III wurde sogar der 1. Platz erreicht. Nach der Einführung der AK IV (Ü48) konnte Gisela Pelzl mit ihrem Team viermal Gold und 2005 noch einmal Silber bei den bundesdeutschen Meisterschaften holen. Auch international war sie auf dem Parkett aktiv. Als Teilnehmerin der FIMBA-Meisterschaft vertrat Gisela Pelzl die BRD 1999 in Helsinki und 2001 in Ljubljana. 1997 nahm sie zudem an der WM in den USA teil.

In ihrer Karriere war sie Mitspielerin eines erfolgreichen Damenteams, deren Spielerinnen tw. auch nach der Wiedervereinigung als Trainerinnen oder Funktionärinnen den Basketball in Sachsen-Anhalt prägten. Zu nennen sind hier Kolleginnen wie Gabi Müller, Regina Ebert (geb. Bartholomäus), Brigitte Brüning, Heide Uhlig, Friedgart Scholz oder Marlies Ixmeier.

Ein Senior*innenturnier in der Sporthalle "Weinbergweg" (Gisela Pelzl: untere Reihen, zweite von links).

Gisela Pelzl, deren Mann und Kinder ebenfalls Basketball spielten, war trotz fortschreitender Erkrankung jeden Freitagmorgen in einer Senioren-Mixed-Truppe aktiv. Dort begleiteten sie viele Weggefährt*innen "aus alter Zeit" wie Sigrun Koch, Anne Dornhoff, Franz Pelzl, Gunther Schmidt oder Cornelia Demuth und ihr Mann Gerhard noch bis 2015 - so lange wie ihre Erkrankung den Sport noch zuließ.

Gisela Pelzl starb am 06. März 2020, an einem Freitag, im Alter von 80 Jahren in Halle. Mit ihr verlässt uns eine Sportlerin, deren Familienname fest in unserer Basketballkultur in Halle verankert ist. Wir möchten ihrer Familie und den Angehörigen unser tiefstes Mitgefühl aussprechen.

Wir hoffen mit diesen Text an sie in Würde erinnern und auch jüngeren Generationen einen Blick in die Vergangenheit eröffnen zu können. Unser Dank gilt Gunther Schmidt für die umfangreiche Recherchearbeit sowie Franz Pelzl und Marion Streit für ihre Auskünfte.

Philipp Streit Vorstandsreferent für besondere Aufgaben Mobil: 0173 6197465
E-Mail: philipp.streit@bvsa.de

Tags: Szene News Blog Übersicht

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