#dunkbar - Nr. 8: Luchse etablieren sich im Harz und führen Erbe fort

Mittwoch, 29. Mai 2019

Jürgen Hempel (li.) und Kai Nagler engagieren sich für den Basketball in Wernigerode // Foto: privat

#dunkbar - Nr. 8: Jürgen Hempel und Kai Nagler

Die aktuelle Ausgabe von #dunkbar stellt im ersten Doppelinterview unserer Anerkennungsreihe zwei Basketballfunktionäre aus Wernigerode vor.

Auf diesem Wege möchten wir weiterhin einen wichtigen Teil zur Anerkennungskultur des Ehrenamts im BVSA beitragen und Euch Personen näherbringen, die Ihr vielleicht
noch nicht persönlich getroffen habt oder die Euch nur aus Spielberichten, dem Saisonheft oder E-Mail-Verteilern bekannt sind. Außerdem wird #dunkbar auch Einblicke in die
unterschiedlichsten Aufgabenfelder von Ehrenamtlichen gewähren und ihre ganz persönliche Geschichte schildern. Gerne können Personen für diese Kategorie bei der BVSA-Geschäftsstelle vorgeschlagen werden. Die aktuelle Ausgabe von #dunkbar stellt Euch nun Jürgen Hempel und Kai Nagler von den PSG Luchsen aus Wernigerode vor.

Wie seid Ihr zu Eurem Ehrenamt gekommen? Wer hat Euch angeworben?

Jürgen: "In der 7. Klasse habe ich das erste Mal im Sportunterricht Kontakt mit dem orangenen Ball gehabt. In der halben Stunde, die wir gespielt haben, gab es keinen einzigen Treffer, nur am Ende fiel ein Korb und den habe ich gemacht. Von da an war ich in den Sport verliebt und bin sofort einem Basketball-Verein beigetreten. Das war vor über 25 Jahren in Jena, wo ich aufgewachsen bin."

Kai: "Ich habe Basketball ebenfalls in der Schule entdeckt. Einige meiner Freunde haben bereits Streetball gespielt und mich überredet bei der Basketball-Schul AG mitzumachen. Das war die Zeit wo die And One Mixtapes bei Jugendlichen angesagt waren. Uns ging es mehr darum, Tricks zu probieren als effektiv zu werfen.(lacht) Kurz darauf habe ich nach einem Verein gesucht und bin der PSG Wernigerode beigetreten. Dort war ich Spieler in der Jugend- und Herrenmannschaft. Leider ist unser damaliger Trainer plötzlich schwer erkrankt, deshalb ist der Basketball in Wernigerode etwas eingeschlafen. Eine Wettkampfmannschaft gab es seit dem nicht mehr. Aus dem Grund bin ich nach Elbingerode gewechselt, um weiter Spiele bestreiten zu können. aber bald darauf bin ich wieder zum Freizeit-Team nach Wernigerode zurückgekehrt."

Jürgen: "Seit einem Jahr bin ich zusammen mit Kai als Coach der Minis ehrenamtlich tätig. Wir haben uns in der Freizeitmannschaft der PSG Wernigerode kennengelernt. Ich dachte mir irgendwann, es wäre doch super, wenn ich die Liebe zum Sport und meine Erfahrungen weitergeben könnte. Außerdem wollte meine Tochter, die ich öfter zum Training mitgenommen habe, auch gern Basketball spielen. Aber es gab keine Jugendmannschaft. Sie hat mich immer wieder gefragt, bis ich letztes Jahr nachgegeben habe und ich mich zusammen mit Kai zur Gründung einer Minimannschaft entschlossen habe. Wir sagten uns, wenn wir es jetzt nicht in die Hand nehmen, dann macht es keiner. Wir haben anschließend mit den Vereinsverantwortlichen gesprochen und beim BVSA unsere Trainerausbildung begonnen. Parallel dazu startete die Arbeit im Verein und das Training der Minis."

Kai: "Als mir Jürgen seine Pläne mitteilte, eine Jugendmannschaft ins Leben zu rufen, war ich sofort begeistert. Er hat mich quasi angesteckt. Ich fand die Idee super, ein Nachwuchsteam in Wernigerode aufzubauen. Sofort dachte ich an meinen ehemaligen Trainer Michael Schilling, der schwer an Multiple Sklerose erkrankt war und soviel für mich und den Basketball in Wernigerode getan hatte. Ich überlegte mir, dass es toll wäre sein Erbe fortzuführen. Tatsächlich stehe ich immer noch mit ihm in Kontakt und berichte stolz von den Fortschritten, die wir machen."

Jürgen: "Anfangs hatten wir beide etwas bedenken und uns diese Aufgabe nicht so recht zugetraut, aber mittlerweile fragen wir uns, warum wir das nicht schon viel früher gemacht haben. Wir haben zusammen großen Spaß an der Arbeit mit den Kids und ich habe mit Kai jemanden gefunden, der genauso tickt wie ich."

Franz Bender (li.) führt das erste Doppelinterview unserer Rubirk "#dunkbar" // Foto: BVSA

Wie sieht Euer Ehrenamt aus? Aus welchen Aufgaben setzt es sich zusammen?

Jürgen: "Tatsächlich haben wir bei null angefangen. Die Strukturen der Abteilung Basketball waren seit über zwölf Jahren weggebrochen. Aber auch grundlegende Vereinsarbeit war zu leisten. Das ging bei der Überarbeitung der Satzung, Mitgliederanträge und Datenschutzrichtlinien los, über das Aufpolieren des Vereinsimages durch eine neue Website, bis hin zur Beantragung der Hallenzeiten und Organisation des Trainings. Natürlich brauchten wir auch ein ansprechendes Vereins-Logo und einen knackigeren Vereinsnamen. So wurden wir zu PSG „Luchse“ Wernigerode. Wir rütteln den gesamten Verein wach und versuchen, allerhand Ressourcen zu mobilisieren. Sodass Aufgaben wie Spielerpässe beantragen, Trikotsätze organisieren oder Sponsoren finden vom Verein übernommen werden. Hinzu kommen viele Kleinigkeiten, die aber in der Summe viel Zeit kosten. Beispielsweise Foto- und Filmgenehmigungen jedes einzelnen Kindes einzuholen oder den Versicherungsschutz zu klären. Und als Trainer der Kids ist man natürlich auch Ansprechpartner für die Eltern."

Kai: "Ich habe eine Übersicht erstellt, die sämtliche Aufgaben auflistet. Als wir uns diese gemeinsam angeschaut haben, mussten wir feststellen, dass es einfach zu viel ist. Wir mussten also auch lernen, Aufgaben abzugeben. Schließlich steht das Training der Minis im Vordergrund. Sogar einen Aufnahmestopp für Mitglieder wurde nötig, weil wir mit mehr als 20 Kindern nicht mehr alle Aufgaben hätten bewältigen können und die Qualität des Trainings darunter gelitten hätte. Nebenbei recherchierten wir, welche Gelder man überhaupt zur Verfügung hat und wo man Zuschüsse herbekommen kann."

Wie viel Zeit investiert Ihr für Eure ehrenamtlichen Tätigkeiten?

Jürgen: "Dadurch, dass wir noch nicht im Spielbetrieb sind, hält es sich noch in Grenzen. Ich würde sagen acht bis zehn Stunden in der Woche."

Kai: "Ja, das kommt hin. Bei mir ist es etwas weniger. Ungefähr sechs Stunden pro Woche. Aber das ist gut investierte Zeit. Wenn wir beide keine Familien hätten, würden es schnell mal 20 Stunden werden. Da müssen wir uns dann auch mal ein wenig bremsen."

Was macht Euch Spaß und was ärgert Euch?

Jürgen: "Die Begeisterung der Kids bereitet mir am meisten Freude, besonders wenn ihnen eine Sache das erste Mal gelingt. Ein schönes Beispiel dafür ist unsere erste Teilnahme bei der Basketball Schulliga Sachsen-Anhalt. Wir haben dort mächtig auf die Mütze bekommen, aber beim ersten Korberfolg des Teams, haben sich alle Kinder riesig gefreut. Das war ein großartiger Moment."

Kai: "Ich stehe dazu, dass ich es genieße, wenn wir Lob für unsere Arbeit bekommen. Das geht runter wie Öl. (grinst) Aber am meisten freut es mich, dass wir unser Hobby mit unseren Familien teilen können. Unsere Kinder sind meistens dabei und sie haben großen Spaß daran, Basketball zu spielen."

Jürgen: "Ärgerlich empfinde ich es, wenn jemand eine Aufgabe übernimmt und man über einen langen Zeitraum dann kein Feedback bekommt."

Kai: "Genau, die Aufgabe wurden jemanden übertragen, aber man muss immer etwas Druck machen, dass es auch erledigt wird. Wenn man sich auf jemanden nicht verlassen kann oder man eine Zusage bekommt, die dann nicht eingehalten wird, ärgert es mich schon ein wenig."

Beide: "Klar, wir alle engagieren uns ja freiwillig und wir sind selbstverständlich dankbar für jeden Helfer. Aber unerledigte Aufgaben sind wie ein Zettel im Kopf, der nicht abgeht. Bei so vielen Aufgaben hat man dann schnell den ganzen Kopf voller Zettel." (beide lachen)

Was macht Ihr eigentlich abseits des Basketballfeldes?

Kai: "Ich wohne eigentlich schon immer in Wernigerode und bin stolzer Familienvater von zwei Kindern. Seit fast zehn Jahren bin ich Handwerksmeister im Bereich der Fahrzeuglackiererei. Bis 2016 habe ich in Wolfsburg gearbeitet und Messefahrzeuge und Prototypen lackiert. Der Job hat mir viel Spaß gemacht und vor meinem Engagement war es meine große Leidenschaft. Aber mittlerweile arbeite ich lieber hier in der Stadt und erspare mir die lange Fahrt nach Wolfsburg. Die zusätzlichen Momente mit der
Familie sind mir einfach wichtiger. Die neu gewonnene Zeit möchte ich außerdem für Hobbies und natürlich für mein Ehrenamt aufwenden. Dafür nehme ich auch ein geringeres Einkommen in Kauf. Ich bin auch immer gern Motorrad gefahren und habe Musik gemacht. Aber jetzt bestimmt eher das orangene Leder mein Leben." (grinst)

Jürgen: "Zuallererst bin ich Papa und Ehemann. Das ist mir ganz wichtig. Ursprünglich komme ich aus Jena. Berufsbedingt bin ich 2011 nach Wernigerode gezogen und weil ich weiterhin Basketball spielen wollte, habe ich mich den „Luchsen“ angeschlossen. Ich bin Schul-Sozialarbeiter an der Förderschule für Lernbehinderte Kinder und habe Sozialwesen studiert. Ich fahre auch gern Fahrrad oder gehe joggen. Nebenbei versuche ich mir das Gitarrespielen beizubringen. Gerne probiere ich vieles aus, deshalb schwanken meine Interessen immer wieder. Eine Zeit lang war ich zum Beispiel DJ, genauso wie Kai übrigens."

Kai: "Wir waren beide sogar schon zusammen als DJ´s in einem Club in Jena und haben gemeinsam aufgelegt. Jürgen war der DJ und ich -sagen wir- der Special-Guest (beide lachen). Wir unternehmen viel gemeinsam - gehen beide gern klettern oder wandern. Aber Basketball ist die große, gemeinsame Konstante in unserem Leben."

Jürgen Hempel (li.) und Kai Nagler appelieren für mehr Freiplätze in Wernigerode // Foto: privat

Warum Basketball? Oder könntet Ihr Euch eine ehrenamtliche Tätigkeit in einem anderen Genre vorstellen?

Kai: "Ich könnte es mir schon vorstellen, aber nur wenn ich es mit einem Hobby verbinden könnte und ich in diesem Genre bereits Erfahrungen hätte. Deshalb würde ich mich wahrscheinlich in keinem anderen Bereich so wohlfühlen wie im Basketball."

Jürgen: "Wenn ich meine Tätigkeit beim Basketball aufgeben müsste, würde ich mir etwas anderes Sinnvolles suchen. Ich habe das Gefühl, dass mein Ehrenamt ein großer Zugewinn für mein Leben ist. Darüber hinaus leistet man einen Beitrag für die Stadt und die Gesellschaft. Ehrenamtlich tätig zu sein, möchte ich deshalb nicht mehr missen."

Kai: "Das Gefühl habe ich auch. Wir bieten nicht nur unseren Kindern die Möglichkeit, den Sport zu erlernen, sondern sind als Eltern und Trainer auch gleichzeitig Vorbilder."

Jürgen: "Richtig! Wir wollen nicht einfach Zuhause sitzen, sondern aktiv etwas beitragen. Etwas tun, was auch für andere gewinnbringend ist. Diese Werte wollen wir unseren eigenen sowie den Kindern im Verein vermitteln."

Wenn Ihr einen Wunsch für den Basketball in Sachsen-Anhalt frei hättet, wie würde dieser lauten?

Jürgen: "Ich würde mir mehr Freiplätze wünschen, die auch in einem ordentlichen Zustand sind. Die Basketballer würden sich wahrscheinlich sogar um die Pflege der Plätze kümmern. Aber leider gibt es einige Leute, die immer wieder die Korbanlagen zerstören."

Kai: "Toll wäre es, wenn sich die Anzahl der Teams erhöhen würde und es auch mehr Streetballturniere in unserer Region gäbe. Dadurch würden sich hoffentlich
die Fahrzeiten verkürzen. Viele Basketballer aus Wernigerode suchen in der Offseason nach solchen Events. Ich habe selbst mal geschaut, wo wir im Sommer
mit den Kindern teilnehmen könnten. Leider habe ich nur das Streetballturnier in Dessau-Roßlau gefunden. Das ist für uns aber leider viel zu weit entfernt."

#dunkbar - Nr. 1: Clemens Herold - Basket Bears Bernburg

#dunkbar - Nr. 2: René Stephan - Aschersleben Tigers

#dunkbar - Nr. 3: Thomas von Glahn - VfL Kalbe/Milde

#dunkbar - Nr. 4: Toni Jüstel - SV Zörbig

#dunkbar - Nr. 5: Adrian Stock - BBC Stendal

#dunkbar - Nr. 6: Stephan Schneider - TV Gut Heil Zerbst

#dunkbar - Nr. 7: Sina Wagner - SC Osterwieck

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Mobil: 0177 2422035
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